Dienstag, 25. Oktober 2016

Kambodscha Part 2, eine kleine Nepperschlepper-Flußfahrt, unser Besuch in der Missionarsstation und ein wenig Asiafood!

Wir sind noch nicht durch mit Kambodscha! Nach Angkor Wat, dem Old Market in Siem Reap und einem kleinen Einblick in unser schnuckeliges, kleines Minihotel nehm ich euch heute mit auf den Tonle Sap See. Wir fahren durch ein schwimmendes Dörfchen, stellen fest, dass hier die große Nepperschleppernummer abgeht, besuchen die Missionskirche von Ben (dem Manager unseres Minihotels) und beschäftigen uns noch ein wenig mit asiatischem Essen. Na dann mal los.

War ja klar, dass wir neben den Tempeln in Siem Reap auch sehen wollten, was hier sonst noch geht. Ben, der philippinische Manager unseres Minihotels, den ich euch ja schon im letzten Post über Kambodscha vorstellte, schlug schon in unseren emails, die wir uns in Massen schon Monate vor unserer Ankunft lustig hin und her schickten vor, dass unter anderem  (und er machte viele Vorschläge!) die schwimmenden Dörfer und der Tonle Sap See vielleicht ein lohnendes Ausflugsziel seien. Na und soll ich euch was sagen.....ich war erstmal zu faul um mich da im Detail reinzufuchsen und winkte ab......das mit dem Reiseblogger üben wir dann nochmal liebes Frollein!.....ich dachte einfach, wir lassen das mal einfach auf uns zukommen. So ergeben sich ja oft eh die dollsten Dinger. Und wir sind gerne alle voll spontan ;-). Wir haben auf unserer langen und spannenden Reise wirklich kein einziges Mal keinen bösen Reinfall gehabt und auch dieser war jetzt kein wirklich fieser Ausflug, ich hätte in dem Fall aber dann wohl besser mal nachgelesen und wäre gewarnt und dann vielleicht woanders hingefahren. So helf ich aber dann wenigstens euch mit meinem Geschichtchen und wir lachen alle mal herzlich über die echt schäbige Nummer.




Vorneweg erstmal: Es gibt viele Anlaufstellen für Touren zu schwimmenden Dörfern am Tonle Sap See. Lohnenswert sind wohl Halbtages- oder Tagestouren nach Kompong Phluk (40 km Südöstlich von Siem Reap) oder Kompong Khleang (80 km entfernt vom Siem Reap). Weniger bis gar nicht empfehlenswert sind die Touren von Chong Khneas aus (liegt nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt). Na und welche Tour haben wir wohl gemacht.....genau. Die nach Chong Khneas, weil wir ja mit unseren Tuktukfahrern unterwegs waren und ich die anderen Strecken einfach im Tuktuk zu weit fand. Blödes Argument, war aber so.

Ich werd im folgenden einfach mal gnadenlos lästern, denn was hier an schlechtem Tourinepp geboten wurde, konnte einen wirklich nur noch zum pausenlosen Kopfschütteln bringen. Dass da überhaupt noch einer drauf reinfällt! Aber okay......so wirds wohl sein und wir waren ja schließlich auch da.

Wir kamen also am Anleger der Boote, einem touristisch völlig durchorganisierten großen, modernen Betongebäude an und wurden schon an der Kasse hektisch gebeten, doch bitte schnell zu zahlen, das Boot würde in ein paar Minuten ablegen.

MERKE: Ist in der Regel immer voll die Verarsche, wenn man dich an der Kasse drängt.....man will nur nicht, dass du dir zu lange über den Preis Gedanken machen kannst. Weißte Bescheid.

So war das dann natürlich auch, wir waren aber in dem Moment noch zu weichgespült, ums direkt zu checken und zahlten erstmal brutale 20 Dollar pro Person für eine 1 1/2 stündige Bootsfahrt. Dankbarer Weise mußte der Mini-Ü mit 10 Jahren gar nichts zahlen.....allerdings nur, nachdem unserer Tuktukfahrer dem Kassierer mal tief in die Augen geblickt hatte und einige Worte flogen.





Wie war das? Das Boot legt in ein paar Minuten ab und wir müssen uns beeilen?

Ja.

Es legte auch tatsächlich sofort ab, aber wir waren die einzigen Gäste. Und mindestens 20 andere ungenutzte Boote dümpelten am Anleger noch vor sich hin. Soviel zur Hektik an der Kasse.

Wir waren noch nicht mal 1 Minute losgefahren, da spürte ich plötzlich ein paar kleine Händchen in meinem Nacken und ein kleiner drahtiger Junge versuchte mir eine Nackmassage angedeihen zu lassen. Er guckte dabei aber derart unfreundlich und ging auch in keinster Weise auf meine das ganze abwehrenden Späße ein, dass ich irgendwann gar nicht wußte, wie ich noch darauf reagieren sollte. Zum Glück wurde er dann vom Kapitän zurückgepfiffen......aber erst nachdem er mir noch die Hand entgegengestreckt und den Spruch "One Dollar , Madame!" ins Ohr gesäuselt hatte. Neeeee!!!

Merke: Schlimmschlimm, aber Kambodscha ist im Gegensatz zu Thailand so arm, dass hier ohne schlechtes Gewissen immer die kleinsten der Kleinen auf die Touris gescheucht werden, um über den Niedlichkeits- und Mitfühlfaktor Geld einzutreiben. Nicht dass ich das nicht gewußt hätte, aber dran gewöhnen muss man sich trotzdem erstmal, wenn man gerade erst aus dem total anders aufgestellten Thailand herüber gekommen ist.









Mal abgesehen von meiner durchaus berechtigten Kritik an dem völlig überteuerten Bootsausflug, bleibt einem auf so einer Tour aber selbstverständlich nicht verschlossen, dass es dem Menschen in Kambodscha NATÜRLICH wirklich nicht besonders gut geht und sie allergrößtenteils wirklich erbärmlich arm sind und sich unter schwierigen Bedingungen durchs Leben kämpfen müssen. Insbesondere bei Kindern tut mir das immer sehr leid und erklärt in irgendeiner Form selbstverständlich sämtliche hier kritisierten Maschen und Methoden der Tourinepperei. Doof ists aber trotzdem. Und in der hier im weiteren aufgezeigten Form auch echt ätzend unsympathisch und abschreckend. Da mag man schon fast gar nicht mehr irgendwem helfen. Aber hört selbst.






Schon gleich zu Beginn der Fahrt, war unserer Bootsguide schon auffallend redseelig und zutraulich, zumindest zu Mister Ü (Ich bin ja immer nur autistisch am Fotos knispen, ich werd erst immer ganz zum Schluss angesprochen, wenn gar nix mehr geht ;-D!), den er gnadenlos einlullte in dramatische Geschichten von Stürmen und Überschwemmungen am Tonle Sap See, die jedes Jahr viele Kinder zu Waisen machen würden (Nachtigall......trapstraps).

Die Stürme und Überschwemmungen gibt es auch tatsächlich, besonders in der Regenzeit zwischen Mai und Ende Oktober, in der der Tonle Sap zum größten Süßwassersee Südostasiens anschwillt. Den sagenhaften Sturm vor ein paar Jahren, den der Bootsguide blumigstgruselig ausmalte und bei dem sein halbes Dorf gestorben sei, konnte ich aber trotz intensivstem Googeln nicht im Netz finden. Wird das nicht erwähnt, wenn 2000 Menschen beim Sturm in Kambodscha ertrinken? Ich weiß nicht. Vielleicht kann mir da ja einer wissenstechnisch mal aushelfen (ansonsten ist die Story ja wo extraoberschäbig!). Tatsächlich wird die Hälfte des kambodschanischen Fischbedarfs aus dem Tonle Sap gedeckt. Die Menschen haben sich dort weitgehend mit dem An- und Abschwellen des Sees arrangiert und ihre Häuser auf hohen Stelzen oder direkt schwimmend gebaut. Durch die Überschwemmungen findet man dort auch ideale Bedingungen für den Reisanbau.

Erstes Ziel nach einer dreiviertel Stunde Boootsfahrt und vielen unfreiwilligen Fotos mit dem Guide auf dem Boot war dann dieses Restaurant mit Blick auf den See und einigen angegliederten Geschäften mit Tourikram und ein paar elendig in einen viel zu kleinen Käfig eingeklemmten Krokodilen. Nicht lustig. Schlimmer hab ichs nur mal in Indonesien auf Sumatra gesehen, als ich die ärmste Schildkröte des Jahrtausends in einem ZOO!!! fand, die in einem Aquarium gehalten wurde, in dem sie sich noch nicht einmal umdrehen konnte.

Selbstredend hatten wir weder Hunger, noch haben wir Krokodilledertaschen oder ! kambodschanische Riel ! dort gekauft. Kein Witz.....die wollten uns da die Nationalwährung Riel für Dollar verkaufen! Hahaha. Ich lache. Dazu muss man wissen, dass man in Kambodscha zumindest in Siem Reap NUR mit Dollar zahlt. Auch aus den Bankautomaten kommen nur Dollar. Der Riel kommt nur dann zum Einsatz, wenn in Restaurants Beträge unter 1 Dollar übrig bleiben......quasi dann als Souvenir. Aber Riel kaufen???? Tsss. Bescheuert.






Dann kam der größte von langer Rede vorher eingefädelte Coup der Tour. Ich sagte ja schon, dass Mister Ü vom Bootsguide bis zur Gutmütigkeitsgrenze voll gelabert wurde, was die armen sturmgebeutelten Waisenkinder der Siedlung anginge......alle würden in der Kirche zur Schule gehen und bräuchten dringend Nahrung. Es wäre super, wenn wir irgendwie helfen könnten, aber wir sollten bloß nicht dem Lehrer der Kinder etwas geben, der würde das nur unterschlagen. Er könne uns aber einen tollen Deal anbieten: Wir würden bei seinem Freund einen 50 kg Sack Reis kaufen und dann gemeinsam zu den armen Waisenkindern in die Schule bringe, damit wir auch sehen würden, dass der Sack bei den Bedürftigen ankomme.

Haha.

Na danke. Und kaum sind wir weg, fährt er den Sack wieder zurück. Der Sack sollte auch spottbillig sein, 50 Dollar nämlich. Ein halber Sack sollte erstaunlicher Weise 30 Dollar kosten und das alles obwohl man am Old Market in Siem Reap, einem der Haupttouridrehpunkte, einen 50 kg Sack für 30 Dollar kaufen kann. Wunder über Wunder.

Nein wir kauften keinen Sack, bekamen aber fast eins auf die Mappe. Zum Glück ist der Durchschnittskambodschaner deutlich kleiner als Mister Ü und zwei der großartigen Ü-Söhne. RESPEKT.





Auf der Rückfahrt würdigte uns der Bootsguide keines Blickes mehr und versank in dramatischste Depressionen an der Reling. Als das auch keine Wirkung bei uns zeigte, holte er nochmal zu einem letzten Versuch aus: Trinkgeld. Müßten wir aber heimlich machen wegen der Polizei. Und schon gabs nen neuen Bären auf die Nase.

Merke: Theatralik ist immer der Weisheit letzter Schluss. Und die haben es streckenweise echt oscarverdächtig drauf.

Ehrlich gesagt macht mich sowas sauer. Und auch wenn ich hübsche Bilder schießen konnte und die Leute dort ihren Kopf dafür ins Bild gehalten haben.....ich denke wir haben mit 20 Dollar  p.P. genug für die Förderung dieses Dorfes getan. Engagieren tue ich mich dann lieber an anderer Stelle, wo ich zumindest einiger Maßen nachvollziehen kann was passiert und mich nicht so gröbstens gerippt fühle.






Eine andere Dimension hatte dann nämlich das von Ben, unserem Hotelmanager, geleitete Missionarsprojekt in einer kleinen Ansiedlung in der Nähe von Siem Reap, für das wir uns auch gerne FREIWILLIG wohltätig gezeigt haben. Er hatte mich schon Wochen vorher ganz vorsichtig gefragt, ob er uns seine Missionarsarbeit nicht einmal zeigen und uns allen den Kindern dort vorstellen dürfte. Ich fand den Gedanken von Anfang an super, weil er auch nie nach Spenden oder sonstwas fragte. Eher sogar das Gegenteil, denn die ganze Zeit als wir im Hotel weilten kochte er kostenlos für uns und erklärte uns kambodschanische und philippinische Gerichte. Meistens konnten wir noch nicht mal alles aufessen, so großzügig waren seine Gerichte bemessen. Er organisierte uns Fahrer für unsere Tempeltouren, holte uns vom Flughafen ab, machte unsere Tour nach Koh Chang im Anschluss klar und nie hatte ich das Gefühl, dass er uns ausnehmen oder übers Ohr hauen wollte, denn ganz viel organisierte er für uns komplett kostenfrei. Die Tonle Sap Nummer ging leider auf unsere eigene Initiative zurück......jaja.....wendemalselbstwasindiehandnimmst.

Der Nachmittag und Abend in der kleinen Missionarskirche war dann wirklich für alle absolut spannend. Ach was sage ich, schon die Fahrt dorthin war etwas besonderes, denn wir fuhren fernab von jeglichem touristischen Strom und bewegten uns durch fürchterlich ärmliche Gebieten, die schon fast ein wenig unheimlich waren, weil wir angestarrt wurden wie Außerirdische. Gerade den Kinder war das unglaublich unangenehm und sie sagten hinterher, sie wären sich noch nie so elendig reich vorgekommen, wie auf dieser Fahrt und an dem Tag. Ich finde das eine sehr berührende Erfahrung. Und sehr erdend für uns Konsummenschen, die wir ja leider in dieser westlichen Welt irgendwie sind.






Hier kocht Ben mit dem Hotelkoch das Lieblingsgericht seiner philippinischen Kindheit: Adobo. Und ja ihr seht richtig, das wird in der Originalversion mit SPRITE gekocht! Also wir fandens alle super! Schaut mal, was er sich für eine Mühe mit dem Salat und dem Obst gemacht hat. Sehr liebevoll!




Und hier noch ein kleiner Geheimtipp für alle die mal Pause vom Reis machen wollen: Die wirklich besten Burger von Siem Reap (bestätigt auch das Netz!) gibts bei Jungle Burgers, einem klitzekleinen Laden mit Billardtisch in der Street 26, Krong Siem Reap. Am besten reserviert man vorher und testet unbedingt die selbstgemachte Limo!!!




Was ich mir allerdings während des ganzen Kambodschaaufenthalts eisern verkniffen habe.........hier unten....Leute, ich kann das nicht. Ich lauf ja schon vor den lebendigen Viechern schreiend weg (peinlich aber wahr....Insekten sind so gar nicht meins), da ESS ICH DIE DOCH NICHT AUCH NOCH!!! Neverever.

No und niemals.

Aber führs Foto doch mal echt spannend.




Habt ne wunderbare Woche ihr Lieben!


Kommentare:

  1. Hallo Anne,
    ihr habt ja mächtig viel erlebt auf eurer Reise. Ich war vor kurzem nebenan auf einer Rucksackreise in Thailand. Dort haben wir unsere Flitterwochen verbracht. Kambodscha klingt auch spannend, vor allem eure Erfahrungen, die ihr mit dem Leiter des Missionarprojektes machen konntet. Ich bin schon auf Reisebericht Part 3 gespannt. :)

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    1. Kambodscha ist ganz anders als Thailand. Überhaupt nicht so aufgeräumt, viel ärmer, aber auch ursprünglicher. Ist wirklich eine Reise wert, gerade auch im Vergleich zu Thailand. Teil 3 gibt es nicht ;-D......für uns ging dann weiter nach Kot Chang!

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