Dienstag, 8. September 2015

Back to the 20ties......JFKs Geburtshaus in Boston

Wußtet ihr eigentlich schon, dass JFK, also John F. Kennedy der legendäre 35. Präsident der USA, in Boston geboren wurde? Ja, so ist das, und jedes amerikanische Kleinkind saugt diese Info wahrscheinlich schon mit der Muttermilch auf, wir lernten das erst hier. Wie wir dann erfuhren, kann man das Geburtshaus sogar besichtigen. Na und weil ich mir dachte, dass das doch echt mal etwas anderes ist, als ständig nur durch Häuserschluchten zu schleichen und sich Kultur reinzuziehen, machten wir einen Ausflug dorthin. Nennt mich strunzdoof, aber hatte für mich eher was von Tine Wittler in den 20igern.......ich guck ja gerne mal in fremde Häuser rein ;-D.

Das Haus liegt im Stadtteil Brookline in der 83 Beals St. Unser Navi streikte an diesem Tag aus unerfindlichen Gründen und leitete uns in irgendeine Sackgasse woauchimmerlostimnowhere. Dieser Zeitpunkt war der Allerungünstigste, um nicht zu funktionieren. Kein Frühstück im Bauch, also Hunger, Pipi.....ihr wisst schon. Die ganze Mannschaft war am kreischen vor Empörung. Es musste also zuerst was zu Futtern her, bevor wir uns um den genauen Weg kümmern konnten. Mit Hunger kann ja kein Mensch vernünftig denken.




Ja. Und was macht man da in nach einer Woche USAaufenthalts in schon völlig total durchamerikanisierter Art und Weise? RISCHTISCH. Man fällt in einen Donooold. Die gibt´s da ja wie Sand am Meer. Wir also in der Neighbourhood rumgekurvt und tatsächlich war schon nach kurzer Zeit ein Donoooold auf 12 Uhr und ein Parkplatz wie gemacht für uns direkt umme Ecke.

Mir war zu dem Zeitpunkt wohl bekannt, dass es in den USA so Ecken gibt, in denen man sich als Weißer irgendwie komisch vorkommt, wenn ihr versteht was ich meine. Aber in meiner Vorstellung waren die halt woanders. Immer. Mir war noch nie so klar, wie sich ein Schwarzer unter massig Weißen fühlen muss wie an diesem Mittag. Ich glaube schon allein aus Mittleid für die doofen Touris, die anscheinend nicht schnallten, wo sie hier waren, hat man uns behandelt wie die kleinen Kaninchen, aber auch mindestens genauso angestarrt. Keine Ahnung wo wir da waren (wir erinnern uns....wir waren ja zu den Zeitpunkt lost), aber alle.....und wenn ich sage ALLE meine ich A.L.L.E!......sahen gängstamäßig lässig aus, hatten die geilsten Dreadlockundwasweißichwasfürrastafrisuren, schlurften arschcool durch die Gegend oder fuhren wahlweise stehend und ein Fahrrad einbeinig lenkend durch die Gegend. Und natürlich gab es da dann auch noch die entsprechend schwierig einzustufenden Gestalten.........hey....was weiß ich armes Dorfhäschen wie ein richtiger Gangsta aussieht....also ein wirklich richtig echter. Wir kamen uns vor wie die oberspießigsten Spießer der Galaxis. Nebenbei bemerkt betrat ich in besagtem Donooold auch das hammerdreckigste Klo dieses Planeten. Aber das nur am Rande. Und Lächeln und die eigene Hautfarbe ignorieren hilft immer, ne ;-D!





Den Fotoapperat hab ich in der Situation nicht so wirklich rausgeholt. Kam mir irgendwie unpassend vor und so gibts nur diese kleine Impression des Schildes eines Hummerburgers bei Donoooold (und der war echt gut liebe Leute!). Schon aus emotionalen Gründen konnte ich nicht die komplette Szenerie ablichten, da just in dem Moment 2 Obdachlose darunter lagen und mindestens 3 weitere Schwarze mich konsterniert von der Seite anstarrten. Ihr versteht das also.

Mutig wie wir auch in solchen Lagen bleiben, sind wir nach unserem lustigen Burgerladenbesuch dann noch in einen lokalen Supermarkt reingefallen. Und ich sags euch.....ich geh ab heute nur noch in solchen Siedlungen einkaufen. Meine Fresse (Schuldigung, da gibts kein anderes Wort für und ich hab mich jetzt auch nur der Coolness der Umgebung angepasst.......Gängstaaaaa) war das ein genialer Supermarkt. Die größte Gemüsetheke die ich in den ganzen 4 Wochen USA gesehen habe, richtig ungewöhnliche Dinger dabei, bezahlbar ja und der Rest auf dem gleichen Level. Sehr cool auch die Abteilung mit den Kerzen...für jede Lebenslage was dabei ;-)! Aber auch hier wieder...no more pics.




Dank der grandiosen, geradezu adlermäßigen inneren Übersichtskarte des geografisch top versierten Mister Ü, gelangten wir nach seltsamen Umwegen dann aber zum Glück doch noch an unser eigentliches Ziel. Achja.....JFK´s Geburtshaus......hätten wir ja fast vergessen.

Hier unten seht ihr die schnuckelig kleine Beals Street......echt zum Piepen war, dass wir quasi 5 Meter vor dem Haus auf der Straße parken konnten. Nix Stress, massig Touristen und wieder tausende von ewig langen Warteschleifen, in die man sich stellen darf. Nö. Außer uns waren nur 5 Mann noch da. Also ein Erlebnis abseits von klassischen Touristenstrom, ihr werdet es mögen! Das allerverstörend Lustigste war dann, dass der Besuch des Hauses mit einem exclusiven Tourguide (HA! Böse wer böses denkt ;-D!) nur für uns Fünf und zwei fremde Mädels noch nicht mal was kostete. Und das in Amerikaaaa?!?!?! Hääää???? Okay.....in Washington hat man das auch öfter mal.





Hey Leute! Eine echte Erfahrung......der Tourguide war nett, kompetent, keine Nervensäge ;-D und wir lauschten andächtig.

JFK wurde hier im Jahr 1917 geboren. Er lebte hier bis zu seinem dritten Lebensjahr und zog dann zunächst nur ein paar Blocks weiter in die Abbotsford Road 51. In der Präsidentschaftszeit Kennedys wurde das Haus von einer älteren Dame, Louise Pollak, bewohnt. Am Tag nach dem Attentat auf ihn im Jahr 1963 sah es vor ihrem Haus dann so aus wie auf dem Foto unten gezeigt: Heerscharen von Menschen pilgerten zu seiner Geburtsstätte, um ihm seine letzte Ehre zu erweisen und ihm ein Stück näher zu sein. Für Louise Pollak ein nicht ganz einfacher Zustand, denn auch in den Jahren danach wurde das nicht unbedingt besser und ständig klingelten JFKfans und baten darum, ein Auge ins Haus werfen zu dürfen. 1966 schließlich erwarb Rose Kennedy das Haus, ließ es in den Zustand von Kennedys Geburts zurück restaurieren und übergab es 1969 dem National Park Service zur weitern Betreuung.




Ich habe diese düstere Stimmung extra nicht bearbeitet......so war das 1917! Kann man sich heute in Zeiten des Scandinavian Chic, wo alles hellhellhellunddreimalweiß ist, schon gar nicht mehr vorstellen so im Dunkeln zu leben.




Rose Kennedy und ihr Mann Joseph legten extrem viel Wert auf gutes Benehmen und schon von klein auf drehten sich die Gespräche am Esstisch nur um die aktuelle Politik. Von Klein-John wurde  schon früh erwartet eine Meinung dazu schwierigsten Themen zu haben.....klar, dass der da nur Präsident werden konnte. Ich hab das am nächsten Tag auch direkt mal bei Frühstück mit unseren Jungs ausprobiert.

Öhm.

Ich glaube hier wird ausnahmsweise keiner Präsident. Aber nur Ausnahmsweise.




Rose Kennedy muss die Küche nie betreten haben. Man hatte Hauspersonal und die Dame wußte ziemlich genau wohin sie wollte.......ganz nach oben......mit der ganzen Familie. Aber auch der Vater, nebenbei auch noch ein Frauenheld wie später ja auch sein Sohn, war nicht unehrgeizig, wurde schon mit 25 jüngster Bankdirektor der USA und versprach bei der Geburt des ersten Sohnes, JFK´s älterem Bruder, für jedes Kind was sie bekommen würden 1 Million Dollar zu erarbeiten. Dieses Ziel hatte er bald erreicht und die Kennedys hatten 9 Kinder!  Zuhause galt der Satz: Come in first, second place is failure. Na das ist doch ein eindeutiges Ziel. Noch Fragen?





Das ist das Elternschlafzimmer. Fanden die Jungs verstörend. Wie? Die hatten getrennte Betten???

Jaja liebe Kinder! Erstens sind wir in Amerika und zweitens in Jahr 1917. Da war das so.




Hier hat Rose Kennedy ihre wohlbekannten Tagebücher über die Kinder verfasst. Eingetragen wurden Größe Gewicht, Krankheiten, Macken und Benehmen......heutzutage wäre sie wahrscheinlich Familienbloggerin.......oder ne......damit wird man nicht berühmt und stinkreich genug.......wahrscheinlich wäre sie Verlegerin eines großen Familienbuchhandels geworden. Na und selbstverständlich hätte sie ordentlich in Schääriti gemacht, ach aber das machte sie ja damals auch schon, denn JFKs jüngere Schwester Rosemary war von Geburt an leicht und durch einen späteren durch den Vater motivierten Gehirneingriff, der misslang, schwer behindert. Rose setzte sich sehr für ihre Tochter ein, gründete Stiftungen und bezeichnete ihre Tochter als "Geschenk Gottes", dass die anderen Respekt vor Behinderungen gelehrt habe. Bewundernswert. Daumen hoch für Mutter Kennedy, Daumen runter für Vater Kennedy, dem die Tochter nach der der ohne Zustimmung von Rose durchgeführten und missglückten HirnOP zu peinlich wurde und er sie in eine Heilanstalt nach Winsconsin verfrachtete.




Zum Schluss nach soviel Infos und Kennedyinsidern noch etwas Oberflächliches.........ein Blick in das Zimmer in dem JFK geboren wurde und bis zum Alter von 3 gelebt hat. Das würde ja fast heute noch so grade in ner Wohnungszeitschrift durchgehen. Soviel weiß! Ich finds glatt schön.




So, demnächst mehr auf diesem Kanal.......ich hab noch soviel zu erzählen! Plimoth! Lake George! Niagara! Cape May! Washington! New York! Seid dabei wenn ich versuche alles in Schrift und Bild zu formen ;-)!

Ach Leute.......lasst uns ab heute alle Rastas tragen und einbeinig stehend auf Fahrrädern fahren........ist soooooo coool.

Tschüssokowski




Kommentare:

  1. Die dunkeln und kleinen Räume das Hauses bringen eine richtige Stimmung rüber und man kann sich gut vorstellen wie es einmal war dort zo leben. Der alte Ofen ist besonders toll. Schlimm was Rosemary zugestoßen ist, das wusste ich nicht zuvor. Wieder mal ein toller bericht und ich freue mich auf weitere Teile des Road Trips.

    Mersad
    Mersad Donko Photography

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    1. Ja nicht wahr? Wie düster dass da drin ist. Auf dem alten Ofen würd ich nicht kochen wollen ;-D! Da ist mir meiner lieber!

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  2. Hahaha....Familienbloggerin. :))) Ich finde das Haus ist so typisch amerikanisch und wenn Du mir erzählt hättest, ihr hättet dort irgendwelche Leute besucht die da heute wohnen, hätte ich es glatt geglaubt. Das ist der typisch amerikanische Stil und der hat sich scheinbar in den letzten 100 Jahren kaum verändert. Viel Rüschen und Blumen ;). Liebste Grüße, Nadine

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    1. Ja das stimmt. Ich war auch echt platt mit wieviel Rüschen die auch heutzutage noch so wohnen, airbnb gibt das ja ganz gut wieder, wie auch heute noch der Style in Amerika ist. Dabei denkt man immer die wären da so topmodern. Bis auf vielleicht in New York, wo soviel so schrill ist, stimmt das aber ja null!

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  3. Hallo Anne,
    deine Schreibstil...bei dem 2. und 3. Absatz habe ich dich mir an eine Bühne als Komikerin vorgestellt, wie du dort diese Geschichten gerade erzählst...:-) Es ist einfach phänomenal, wie du Sachen erklären kannst.
    Ich weiß nicht...warum die Menschheit immer lauter Geburtshäuser von berühmten Menschen so vordrängen muß. Ich finde es in dem Zusammenhang absolut uninteressant, wo der X, oder Y geboren und als Kind gelebt hat. Das Haus an sich selbst ist interessant, aber könnte auch Tante Inge gehören, nur dann würde es keine Sau interessieren. :-)
    Liebe Grüße

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    1. Hahahahaaaa, du wieder ;-D! Du hast schon irgendwie recht, das Geburtshäuser stinklangweilig sein können. Hier das von Tante Inge...äh JFK fand ich aber super, man kommt in so eine ganz andere Atmosphäre rein und der Tourguide hatte auch coole Stories auf Lager. Also ich mochte es.

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  4. Hammer Fotos! Da habt Ihr ja einiges durch. Ich glaub, ich hätt mich im Auto eingeschlossen und keinen Milimeter bewegt, selbst wenn sich mein Magen in Richtung Erdkern gefräst hätte. LG Susanne

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    1. Ach ;-D! Quatsch! Annilein hätte dich am Händchen genommen. Das war doch mal ne super Erfahrung. Etwas unfreiwillig und absichtlich hätt ich das vielleicht auch nicht gemacht, aber jetzt so hinterher wo alles gut gegangen ist doch super ;-D! War wirklich ne interessante Erfahrung und wir haben draus gelernt in Amerika besser aufzupassen, wo man denn gerade so ist.

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  5. arrrgggg....bei dem Lobster Roll läuft mir gerade das Wasser im Mund zusammen. Den kenne ich nämlich auch noch von meinen Aufenthalten in Nova Scotia. Hab damals große Augen bekommen weil man ihn ja nicht aus Deutschland kannte^^

    Wieder ein sehr interessanter Post der auch wieder so klasse geschrieben ist, was hab ich gegrinst, gelacht und geschmunzelt. Natürlich neben der Bewunderung der tollen Aufnahmen, und ich danke dir auch dafür dass du uns soviel vom Geburtshaus von JFK zeigst. Da wäre ich auch auf jeden Fall reingegangen. Mich haben solche Häuser auch immer sehr interessiert. Schon alleine wie sie gelebt haben, die alten Zeiten und dazu dann auch noch so eine Persönlichkeit. Finde es immer sehr beeindruckend.

    Ihr solltet auch mal überlegen ob ihr nicht nach Nova Scotia reisen wollt...da gäbe es auch soviel für euch zu sehen und die Rundreise wäre fast schon ein "Klacks".

    Freue mich schon auf weitere Berichte, warte geduldig und sende bis dahin liebste Grüssle

    N☼va

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  6. Die Lobster Roll fand ich auch total schräg und noch schräger, dass die sogar geschmeckt hat. Da war null Majo oder irgendeine andere Chemiesoße dran und der Hummer auch gute Qualität. Wer hätte das gedacht bei Donald????

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